|
Was ist Logopädie?
Logopädie vereint als
Integrationswissenschaft Erkenntnisse aus der Medizin, Heilpädagogik, Psychologie
und Linguistik. LogopädInnen sind Fachpersonen, die zuständig sind für die
Beratung, Abklärung und Behandlung von Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen
mit Störungen der gesprochenen und geschriebenen Sprache sowie der Stimme. Sie
arbeiten an Logopädischen Diensten in öffentlichen Schulen, in
Sprachheilkindergärten und -schulen, in Heilpädagogischen Sonderschulen, in
Kliniken und in Spitälern.
Sprache ist für uns Menschen von
zentraler Bedeutung. Mit ihrer Hilfe können wir uns ausdrücken, uns mit unseren
Mitmenschen verständigen und an Hand von gehörter oder geschriebener Sprache Vorstellungen,
innere Bilder aufbauen. Sprache und Sprechen sind ganzheitliche Vorgänge. An jeder
einzelnen Sprachhandlung sind körperliche, seelische und geistige Vorgänge
beteiligt. Eine sprachliche Beeinträchtigung betrifft somit immer den ganzen
Menschen und kann sich auf seine psychische und soziale Befindlichkeit sowie
auf seine Intelligenzentwicklung und damit auch auf seine Lernfähigkeit
auswirken.
Logopädie bei Kindern
Bei folgenden Auffälligkeiten sollte ein
Kind zur logopädischen Abklärung angemeldet werden:
- auffälliges
Kommunikationsverhalten
- ab 2.
Lebensjahr: Ausbleiben von ersten Wörtern
- ab 3. - 4.
Lebensjahr: deutlich von der Norm abweichende Sprache in der Laut-/Satzbildung;
Stottern
- ab
Schulalter: Störungen beim Erwerb von Lesen und Schreiben und Mathematik
Was umfasst die logopädische Abklärung?
Kommunikationsverhalten
Wir
untersuchen: Wie geht das Kind mit der Sprache um? Vermeidet das Kind den Blickkontakt? Hält es sich nicht an sprachliche Regeln? Hört es kaum zu? Wie reagiert es, wenn es angesprochen
wird? Ist es an
Kommunikation überhaupt interessiert oder vermeidet es das Sprechen, gibt es sich uninteressiert, obwohl es
sprechen könnte?
Sprachverständnis
Wir
prüfen, wie das Kind mit sprachlichen Aufforderungen umgeht. Signale für uns
sind:
- Das Kind versteht
Sprache trotz normalem Hörvermögen nicht altersgemäss.
-
Es führt Anweisungen nicht oder falsch aus, wirkt deshalb ungehorsam.
-
Es fragt oft nach, wie wenn es etwas nicht richtig gehört hätte (hm? was?),
oder
wiederholt das eben Gehörte.
-
Es versteckt seine Sprachverständnisschwierigkeiten mit übertriebener
Betriebsamkeit
oder zieht sich zurück.
-
Es orientiert sich stark visuell, schaut in der Schule oder im Kindergarten bei
den anderen Kindern ab.
Wortschatz,
Wortfindung Das
Kind kennt altersgemässe Wörter nicht.Es
kann ihm bekannte Wörter nicht abrufen, braucht ähnliche Wörter, (inhaltlich:
"Orange" statt "Zitrone" oder lautlich: "Schiff"
statt "Fisch"), es behilft sich mit Umschreibungen und/oder zeigt ein
deutliches Suchverhalten
(äh?,äh?).
Satzbau
Das
Kind verdreht oder verkürzt Sätze und braucht falsche Wortformen.Beispiele:
"Ig geschter gässet han-i e Glace."
"Wo
Bäri?"
"Ig
öppis gseh, wo gsehsch du nid."
Aussprache/
Mundmotorik
Das
Kind bildet bestimmte Laute nicht, oder anders; es ersetzt sie oder stellt sie
um.Sind
dabei mehrere Laute betroffen, kann die Aussprache dadurch verwaschen klingen,
und die Verständlichkeit
der Sprache wird dabei stark herabgesetzt. Die Mundmotorik kann eingeschränkt
sein; dies
geht oft einher mit Schwierigkeiten beim Kauen und Schlucken und/oder
verstärktem Speichelfluss.
Redefluss
Das
Kind spricht sehr schnell; es verschluckt Wörter und Endungen (Poltern). Es
wiederholt Laute, Silben,
Wörter, bleibt hängen und/oder verkrampft sich, so dass Atmung und Sprechen
blockiert werden (Stottern).
Sprachakzente,
Sprachmelodie
Das
Kind spricht monoton oder betont nicht dem sprachlichen Inhalt entsprechend.
Stimme
Das
Kind hat dauernd eine auffällige Stimme (heiser, zu hoch, zu tief, zu laut zu
leise, zu nasal).
Lesen/Schreiben
Das
Kind hat Probleme beim Erwerb von Lesen und Schreiben und/oder Mathematik.Diese
Schwierigkeiten treten oft im Zusammenhang mit einer tieferliegenden Störung
des Sprachsystems auf.
Nichsprachliche
Bereiche
Die
Wahrnehmung (Spüren, Hören, Sehen) und deren Verarbeitung, das soziale und
emotionale Verhalten, sowie die Bewegung und das Spielen sind mit dem
Spracherwerb eng verknüpft und werden deshalb
in Abklärung und Therapie einbezogen.
Therapie
Ziel der Therapie ist eine verbesserte Kommunikationsfähigkeit des
sprachauffälligen Kindes, bzw. verbesserte Kompetenzen in den Bereichen Lesen / Schreiben und Mathematik und
nicht das Erreichen einer Idealnorm.
Die therapeutische Arbeit richtet sich
bezüglich ihrer Form, Gestaltung, Intensität und Dauer nach dem Kind und seiner Situation. Therapieverfahren können deshalb nicht
routinemässig eingesetzt werden. Bei jedem Kind wird das Vorgehen individuell den angestrebten Zielen
angepasst. Das Ende der Therapie wird gemeinsam mit den verantwortlichen Bezugspersonen
beschlossen.
Die logopädische Therapie ist freiwillig.
Eine unterstützende Haltung seitens der Eltern ist die Voraussetzung. Die Kosten werden von der Gemeinde und bei schweren
Sprachgebrechen von der IV übernommen.
LogopädInnen unterstehen wie Aerzte und andere Therapeuten der Schweigepflicht.
Anmeldung
Eine Anmeldung zur Abklärung bei der zuständigen logopädischen Stelle ist
jederzeit möglich durch die Eltern, oder mit deren Einverständnis durch ErzieherInnen im
Frühbereich, durch LehrerInnen, durch AerztInnen und auch durch PsychologInnen.
Text: Franziska Jakowetz
|